Anmerkungen zu vier Filmen
Michelangelo Antonionis
Hausarbeit im Rahmen der Veranstaltung:
Das Schwanken des Sinns -
Michelangelo Antonionis Filme
Geleitet von Bernd Kiefer
Im Wintersemester 2001/2002
In der Johannes-Gutenberg- Universität Mainz
Inhalt
1.
Alles ist Liebe, das Universum ist nur Liebe
Den Umständen entsprechenden Gefühlen – Chronik einer
Liebe
Die Welten der beiden Hauptfiguren
Der Umgang mit den Störfaktoren
Cronaca di un amore (1950, Chronik einer Liebe)
2.
Die sonnige Wüste
Der Kampf zweier Seelen in Zabriskie Point
Im Sumpf
Mutige Herzen
Die Unterdrückung der Liebe
Zabriskie Point (1970, Zabriskie Point)
3.
Beruf Reporter
Ein Segen oder ein Fluch?
Ein Film über den Filmemacher
Die drei untersuchten Spielfilme
Professione: reporter (1975, Beruf: Reporter)
4.
Da wo alles anders ist
Antonionis China
Chung Kuo-Cina (1972, Antonionis
China)
5.
Alles noch mal von vorne...
Einleitung
Du kannst das Fell des Tigers zeichnen
doch nicht seine Knochen.
Du kannst das Antlitz eines Menschen zeigen
doch nicht sein Herz.
Chinesisches Sprichwort
Aus: Chung
Kuo-Cina
1.
Alles ist Liebe, das
Universum ist nur Liebe
Den Umständen entsprechenden Gefühlen
- Chronik einer Liebe
Antonioni erzählt von einer gescheiterten Liebe. Eine Liebe
um die zwei Menschen gekämpft haben. Er zeigt auf warum die
Liebe scheitert. Er erzählt detailliert von den Faktoren
welche die Liebe haben scheitern lassen. Indem er die
Störfafaktoren genau benennt, macht er dem Zuschauer
bewusst, warum die Liebenden am Ende nicht zueinander
finden. Indem er davon erzählt, erzählt Antonioni nicht von
der Ausweglosigkeit der Liebe im allgemeinen. Er erzählt
vor allem von den Gefahren welchen die Liebe sich
konfrontiert sehen kann. Er erzählt davon wie die Figuren
mit diesen Gefahren umgehen und vor allem erzählt er von
den Problemen die sie dabei haben. Das die Liebe am Ende
scheitert kann ich nicht als Aufforderung zur Resignation
deuten. Ich verstehe es viel mehr als eine Aufforderung an
den Zuschauer gestärkt gegen die störenden Faktoren
anzugehen - die Dinge zu erkennen, die sich zwischen die
Liebe der Beiden gestellt haben und diese Erfahrung auf das
eigene Leben anzuwenden. Er möchte das Publikum
sensibilisieren, auf sanfte Weise wach rütteln. Wachsam den
Gefahren der Liebe entgegenzutreten. Ich glaube Antonioni
möchte das sich der Zuschauer nach dem Film bewusst macht:
Wären die Figuren des Films wachsamer gewesen, so hätten
sie eine Chance gehabt. Oder etwas ähnliches was schwer in
Worte zu fassen ist. Mit dieser Erkenntnis - ob sie nun
bewusst oder unbewusst erfolgt, vermag der Zuschauer,
nachdem er kein Zuschauer mehr ist, seinem eigenen Leben
wacher gegenüberzutreten. Ich denke der Film ist daher eine
Ode an die Liebe. Dies ist er, da er sich konsequent gegen
die Störfaktoren der Liebe stellt. Antonioni ruft damit auf
gegen diese Störfaktoren anzugehen indem man sich dessen
bewusster wird. Antonioni wollte die Welt nicht anklagen,
er wollte sie zeigen. Indem er sie zeigt, zwingt er den
Zuschauer selbst die Welt anzuklagen. Die Welt in der die
beiden Figuren leben. Und da der Zuschauer den Film stets
im Kontext seines eigenen Lebens wahrnimmt - auch die Welt
des Zuschauers. Manche mögen das Ende dahingehend
verstehen, dass ein Kampf gegen die Störfaktoren als
ausweglos erscheint, jedoch denke ich das sie das Gegenteil
erzeugen sollen. Der Zuschauer soll sich fragen, ob nicht
vielleicht doch ein glücklicheres Ende möglich gewesen
wäre.
Um meine Meinung diesbezüglich zu bekräftigen möchte ich
nun zusammenfassend die Gefahren welche der Liebe im Wege
stehen darstellen. Darüber hinaus untersuche ich wie die
beiden Figuren mit diesen Gefahren umgehen beziehungsweise
nicht damit umgehen können. Zudem möchte ich mich auf
Spekulationen einlassen warum Antonioni davon erzählt,
wovon er erzählt. Mir ist wohl bewusst das dies nicht
eindeutig zu belegen ist - zum Glück. Ich sehe es als
Darstellung wie ich auf den Film reagiert habe und
reagiere.
Die Welten der beiden Hauptfiguren
Die beiden Hauptakteure haben es über die Jahre geschafft,
in völlig verschiedene Welten einzutauchen. Paola heiratete
überhastet einen reichen Mailänder Geschäftsmann. Sie
gewöhnte sich an den damit verbundenen Luxus und an die
umgebende gehobene Gesellschaft. Guido wurde nach dem Krieg
entwurzelt, hat Geldprobleme und weiß nicht so recht wohin
mit sich. Die beiden Welten trennten sich mit einem
Ereignis: mit dem Tod von Guidos Verlobter. Beide haben
sich diesen Tod erwünscht und ihn nicht verhindert. In
einem Moment gemeinsamer Stille wurden sie sich dessen
bewusst. Schockiert darüber reagierte Paola mit dem
Beschluss, sie wolle Guido niemals wiedersehen. Schon hier
war es Guido der Gefühle in Paola auslöste, welche sie sich
nicht eingestehen konnte. Die bis dahin vorhandene
Leichtigkeit des Lebens, von der ihr ehemaliger Trainer
spricht, ist von nun an Vergangenheit. Sie befindet sich in
einer Welt die von Oberflächlichkeit bestimmt wird. Dies
äußert sich in ihrer vornehmen Kleidung, den Gespräch mit
ihren Bekannten und vor allem in der Beziehung zu ihrem
Mann. Keiner Person kann sie ihren wahren Gefühle
anvertrauen. Sie entschuldigt sich mit Unwohlsein,
Kopfschmerzen oder „völligem Fertigsein“. Dies
dient zur klaren Distanzierung zu ihren Mitmenschen. Über
Guidos Welt erfahren wir nicht allzuviel. Wir wissen das er
im Krieg war und sich seinen Lebensunterhalt nur spärlich
verdient. Seine Welt wird vor allem durch den Kontrast zu
der Welt Paolas definiert: simple Hotels im Vergleich zu
ihrer feinen Kleidung, graue Kleidung im Vergleich zu ihrem
kontrastreichen Outfit, sein Fortbewegungsmittel: die
Strassenbahn während sie sich ohne weiteres einen Ferrari
wünscht. Zudem werden die Unterschiede zwischen den beiden
durch Bildgestalterische Mittel verdeutlicht: oft trennt
die beiden ein Tor, ein Gitter oder durch die
unterschiedliche Struktur der Wände vor dem die beiden
stehen.
Da die beiden in solch unterschiedlichen Lebenssituationen
sind, fällt es ihnen sehr schwer zueinander zu finden.
Damit deutet sich schon das Grundproblem an: der
Unterschied der sozialen Umgebung verhindert ein einfaches
Zueinanderfinden. Und dennoch sehnen sie sich nacheinander.
Auf einer gewissen Ebene besteht auch tatsächlich ein
Verbindung: die Sehnsucht aus ihren Welten auszubrechen.
Dies wird an vielerlei Stellen deutlich. Zum Beispiel:
Nachdem Paola vergebens versucht hat Guido zu erreichen und
ihm die Bitte so bald wie möglich zurückzurufen
hinterlassen hat, wird durch ihr Verhalten deutlich
gemacht, welche Opfer sie erbringen muss um wieder ihr
Lebensumfeld einzutreten: Sie opfert ihre Offenheit und
Leichtigkeit. Bevor sie den Raum mit dem Telefon verlässt,
den ich als Zugang zu einer gemeinsamen Welt mit Guido
ansehe, richtet sie betont ihre Haare. Sie wirft sich in
ihre Schale, eine Fassade. Sie entschließt sich die Tür
offen stehen zu lassen, nachdem sie sie beinahe geschlossen
hätte. Sie möchte sich den Zugang zu der Gefühlswelt nicht
völlig verstellen. Es besteht die Gefahr, das der Ruf
welcher sie in ihre Gefühlswelt zurückrufen möchte zu leise
erklingt, nicht in ihr Bewusstsein dringen kann.
Anschließend befindet sie sich wieder in ihrer feinen
Gesellschaft - jedoch findet sie nur begrenzt Zugang zu
ihr. Zigaretten bieten Ersatz für ihre Sehnsucht. Sie
betrachtet die Karten in der Hand und verspricht sich: sie
sagt sie hat 2 Pik-Karten, meint aber eigentlich Herz. Die
„pikene“ Welt in der sie sich befindet, welche
sie um sich herum wahrnimmt wird klar als begrenzt nicht
wirklich herzlich oder zufriedenstellend beschrieben: eine
Dame zerdrückt förmlich ihren Hund mit ihrer Liebe. Zum
anderen: ein Gespräch über ein Geschenk für eine Bekannte
beginnt mit dem Vorschlag, dass es ein Goldtäschchen sein
sollte. Als man einsehen muss das die betreffende Person
sich viel lieber eine Brieftaube wünscht, so soll sie aber
dennoch unbedingt mit Gold verziert durch die Lüfte
fliegen. Freiheit und Leichtigkeit gehen in dieser Welt
verloren. Was zählt ist der oberflächliche Glanz.
Fühlt sich Paola zwar in dieser Welt erledigt und nicht
völlig zufrieden, so kann sie sich dieser Welt jedoch nicht
völlig entziehen.
Ein Beispiel für die Verbundenheit der beiden
unterschiedlichen Welten ist der Einsatz der Zigaretten:
Als Guido Paola anruft um mit ihr ein Treffen auszumachen,
raucht er und ebenso greift auch sie zur Zigarette. Bei
einem späteren Telefonat wird die Verbindung noch
deutlicher: noch bevor Guido ihre Nummer gewählt hat, wacht
Paola aus ihrem Schlaf auf und greift nach dem Hörer des
Telefons.
Das die Verbindung der beiden Welten jedoch von einem
dunklen Schatten umgeben ist wird nicht nur auf der Ebene
des Dialogs deutlich. Die beiden müssen sich in einem
finsteren Planetarium verabreden, wo sie die Gefahr auch
deutlich zu spüren scheinen. An anderer Stelle begibt sich
Guido durch nur einen kleinen Schritt (rückwärts!) in
völlige Dunkelheit als er Paola am Telefon eingestehen muss
er sie nicht verlassen kann. Wenn die Bedrohung der
Verschmelzung der Welten am hellichten Tage dargestellt
wird, geschieht dies zum Beispiel durch
„Rocky“, einem Bekannten und Verehrer in Paola
Umfeld. Und Rocky trägt einen schwarzen Anzug und schwarzen
Hut. Die ständige Bedrohung, welche die Beziehung der
beiden erschwert; lassen ein Zueinanderfinden als
wahnsinnig schwieriges Vorhaben werden.
Und wenn dies doch geschieht, dann nur für wenige
Augenblicke. Denn sofort werden sie wieder von ihren
Lebensumständen eingeholt. Sie können sich für einen
Augenblick im Wagen einander hingeben, jedoch folgt kurz
darauf die notwendige Trennung da Paolas Mann zurückkehrt.
Immer wieder folgt nach der kurzen Verschmelzung beider
Welten die notwendige Trennung. Nach einem gemeinsamen
Abenteuer in Guidos Hotel muss Paola mit ihrem Mann
schlafen, obwohl dies ihr Ekel bereitet. Das
Wiedereindringen in ihre Welt führt zu Verzweiflung. Nicht
nur zu Verzweiflung darüber, dass es so schwer scheint mit
Guido glücklich zu werden, sondern vor allem auch
Verzweiflung darüber, wie unglücklich sie sich in ihrer
Welt fühlt. Paola kennt nur noch zweckbestimmte
Bekanntschaften. Dementsprechend faucht sie auch die
Angestellten des Hauses an. Auf einen Gruß des Chauffeurs
antwortet sie „Ich brauche sie nicht mehr.“ Wie
die beiden mit dieser Verzweiflung umgehen führt zu dem
unglücklichen Ende des Films. Antonioni richtet dabei vor
allem das Augenmerk auf die weibliche Hauptfigur. Immer
wieder wird deutlich gemacht wie unwohl und unglücklich
sich Paola mit ihrem Mann und ihrem Leben fühlt. Das sie
ihre eigentliche Wünsche und Träume aufgegeben hat wird
auch damit dem Zuschauer bewusst gemacht, das man sie im
Telefon unter dem Namen Enrico Fontana erreichen kann.
Derartige Bemerkung gibt es unzählige. Auch Guido wird als
verzweifelt und unzufrieden gezeigt. Er klagt über seine
soziale Stellung und bewundert aus dieser Stellung die
„rassische“ Paola und fragt sie, wie sie das
nur geschafft hat. Beide gestehen sich offen ein,
unglücklich zu sein. Doch wie gehen sie die Bekämpfung des
Unglücks an? Zumindest auf eine Art und Weise in der sie
nicht gemeinsam zu Glück kommen können.
Der Umgang mit den Störfaktoren
„Ein bisschen Ruhe. Ein bisschen Freude - ohne an
etwas zu denken, wie schön wäre das...“ stellt Paola
in einem Augenblick fest. Loslassen von ihrem Leben. Von
ihrem Unglück. Jedoch bringt sie den Mut nicht auf ihre
Welt völlig loszulassen und den Versuch zu starten sich in
einer neuen Welt neu zu finden. Sie hat sich an ihren Luxus
gewöhnt und möchte ihn nicht mehr missen. Sie kann sich
nicht klar zwischen Guido und Enrico entscheiden. Sie
möchte mit Guido zusammensein aber die Vorzüge ihrer Ehe
nicht aufgeben. Da sich, wie sie sagt, das Geld für Enrico
Fontane entschieden hat, möchte sie ihn nicht verlassen.
Jedoch empfindet sie Ekel gegen ihren Ehemann. Als Ausweg
wählt sie die Katastrophe: die Tötung ihres Mannes. Sie
erkauft sich Guido. Sie benutzt ihn um ihren Plan
durchzuführen um dadurch selbst so wenig wie möglich
Gefahren ausgeliefert zu sein. Mit dieser Entscheidung wird
die Beziehung zwischen Paola und Guido zukunftslos. Guido
wird sich dies am Schluss des Filmes bewusst, nachdem Paola
ihm die alleinige Schuld zugeschoben hat. Die Beziehung ist
zu Ende. Paola merkte als sie Guido wiedersah, wie
unglücklich sie eigentlich mit Enrico ist. Als sie dagegen
angehen wollte und sich dabei Probleme auftaten, schob
Paola alle Schuld auf Guido. Als wäre er es der sie
unglücklich machen würde, da er ihr ihr Unglück vor Augen
hält.
Woran ist die Beziehung nun gescheitert? Beide fühlten sich
voneinander sehr angezogen. Als sie sich seit Jahren
wiedersehen bewundern sie sich gegenseitig. Guido fühlt
sich von der Rassenhaftigkeit Paolas angezogen. Auch Paola
merkt an das die Begegnung nicht ohne Wirkung bleibt. Wenig
später gestehen sie sich ein, dass sie all die Jahre nur
aufeinander gewartet haben. Das Problem an der ganzen Sache
ist nur: beide (vor allem aber Paola) haben nicht den Mut
sich völlig auf ihre wiedererwachten Gefühle (oder ihre
Liebe) einzulassen. Paola kann sich nicht konsequent auf
Guido einlassen, weil sie nicht aus ihrer Welt austreten
will. Zu sehr hat sie sich an den Glanz der
Oberflächlichkeit gewöhnt. Wie eine Süchtige hängt sie an
dem Glanz des Goldes. Anstatt sich auf ihr Glück mit Guido
einzulassen, klammert sie sich an die scheinbare
Befriedigung die ihr die materielle Welt ihres Mannes
bietet: schöne Kleider, teuere Autos und immer wieder
Zigaretten.
Doch es gibt auch andere Beispiele von Charakteren in dem
Film. Joy stellt so etwas wie das verkehrte Spiegelbild
Paolas dar. Sie hat eine Beziehung zu einem verheirateten
Geschäftsmann. Sie redet offen und ehrlich über ihre
Gefühle und lebt danach. Sie betrachtet ihre Beziehung mit
naiver Klarheit und geht den Weg ihres Herzens. Zudem kann
sie ihre Individualität klar erkennen in dem Sumpf des
materiellen Scheins. Beruflich trägt sie den Glanz der
Schönheit und des Geldes zwar zur Schau, jedoch kann sie
privat davon wieder Abstand nehmen und beruft sich dann auf
ihre inneren Gefühle und Sehnsüchte. Damit stellt sie den
Gegenpol in dem Film dar. Würde auch Paola mehr auf ihre
Gefühle hören und sie gegen die materialistische Welt
aufrechterhalten, sich weniger in Ersatzbefriegdigung
flüchten, so hätte ihre Beziehung zu Guido durchaus eine
Chance.
Antonioni malt die Liebe nicht schwarz oder sinnlos. Es ist
die Umgebung, das soziale Umfeld die es der Liebe schwer
machen. Nicht nur der Liebe, sondern der gesamten
Gefühlswelt des Einzelnen. Antonioni erzählt von dem Ringen
des Einzelnen in der Masse. Paola steht zwischen den
Fronten. Zum einen spürt sie ihre Zuneigung zu Guido, zum
anderen sieht sie sich den Verlockungen des Geldes
ausgeliefert, denen ihr gesamtes Umfeld bereits schon
völlig verfallen ist. Gerade zu grotesk oberflächlich muten
manche der belanglosen Unterhaltungen an. Es ist Paola
nicht möglich ihren Gefühlen nachzugehen. Wenn es ihr
gelingt, dann nur punktuell. Sie bringt nicht die Kraft
auf, sich der Liebe Willen dem glänzenden Schein des Geldes
abzusagen.
Antonioni erzählt bereits in seinem ersten Spielfilm über
ein Thema, das auch spätere Werke kennzeichnet. Ich möchte
exemplarisch zwei weitere Spielfilme betrachten, welche den
stattfindenden Konflikt in Paola sozusagen verlängern oder
vertiefen. In Zabriskie Point bietet Antonioni
eine Lösung auf wie mit den Störfaktoren oder den
materiellen Verlockungen umzugehen ist und in
Professione: reporter blickt Antonioni ein wenig
über den Rand der industriell-kapitalistischen Gesellschaft
heraus und erzählt von einem Menschen der versucht von
fremden Kulturen zu berichtet. Einen abschließenden Blick
möchte ich dann auf Antonionis Dokumentarfilm Chung
Kuo-Cina werfen. Auch und gerade hier wird der
Konflikt zwischen Individuum und Masse
betrachtet.
2.
Die sonnige Wüste
Der Kampf zweier Seelen in
„Zabriskie Point“
Viel expliziter wird die Welt in Zabriskie Point
als kapitalistisch verseucht dargestellt. Das hat auch zur
Folge, dass die Hauptfiguren expliziter damit jonglieren
müssen. In diesem Film befinden wir uns in Amerika in den
Sechzigern. Zabriskie Point beobachtet ein
weiteres Pärchen. Ein Pärchen das versucht sich aus dem
Werbesumpf zu entwinden.
Im Sumpf
Wir befinden uns in einer Studentenstadt. Die Studenten
revoltieren gegen die politischen und wirtschaftlichen
Zustände. Und sie haben allen Grund dazu: Rassismus und
mangelnde Grundrechte stehen auf der Tagesordnung. Der
Mensch verschwindet vor dem Hintergrund der Werbetafeln.
Auf den Werbetafeln wird die Individualität entlehrt. Als
markantestes Beispiel wird die Entwicklung eines Werbespots
beobachtet, welcher die „Sunny Dunes“ Häuser
promovieren soll. Diese Gebäude sollen in der Wüste
erstellt werden. Dort wird das Land urbar gemacht und somit
selbst die letzten menschenunfreundliche und somit
menschenfreie Gebiete der Welt besiedelt und
entnaturisiert. Die Kunden sollen dem Stress der Stadt
entfliehen und in die Wüste ziehen. Dort ist alles ruhig
und man kann Golf spielen und seinen Garten bewässern -
eben unabhängig sein. Schön das es einen Ort wie die Wüste
gibt. Oder: noch gibt. Denn Hochrechnungen der Firma
erwarten einen Bevölkerungsboom in der Wüste. Die letzen
Gebiete des Rückzugs verschwinden. In den Nachrichten hören
wir zwei Meldungen in einem Atemzug: das 50.000 US Soldaten
in Vietnam starben sowie das ein Schnellstrassenbau 50.000
Menschen (Individuen) zwingt ihre Wohnung zu verlassen.
Nachdem die Menschen ein Gebiet besiedelten, folgte somit
der nächste Schritt: die Entmenschlichung: Maschinen
vertreiben die Menschen. Also müssen die Menschen in die
Wüste, wo sie die Natur vertreiben. Oder sie gehen nach
Vietnam um andere Menschen zu bekämpfen. Kurzum: Der
Kapitalismus breitet sich immer weiter aus und erobert die
letzten Flecken Erde. Sowohl in den letzten Gebieten der
Erde wird die amerikanische Flagge gehißt als auch in immer
mehr Herzen. Wird die Wüste massenbesiedelt, sind die
mageren natürlichen Ressourcen sofort weit überstrapaziert.
Ebenso leiden die Herzen die in den Sumpf des Kapitalismus
fallen und nicht mehr die Kraft und den Mut aufbringen
dagegen zu wirken. Zudem taucht in Dialogen die
Entindividualisierung immer wieder auf, der Polizeibeamte
findet das „Ausserorderntlicher Proffessor für
Geschichte“ zu lang sei und ordnet ihn in die
Kategorie „Lehrer“ ein. Ein weiteres Beispiel
stellt der Chef der Sunny Dunes dar, der sich nicht mit
seinem Namen vorstellt sondern sagt, „Hier ist die
Sunny Dunes Company“. Das Persönliche geht aufgrund
des Marktes verloren. Die Menschlichkeit verschwindet
allmählich. Dies macht Antonioni auch wunderbar durch
Bildgestaltung deutlich: Menschen werden von Gegenständen
und Gebäuden an den Bildrand gedrängt.
Mutige Herzen
Antonioni konzentriert sich in Zabriskie Point auf
zwei Hauptfiguren: Daria und Marc. Daria arbeitet zeitweise
als Sekretärin bei bereits erwähnter Firma Sunny Dunes.
Jedoch identifiziert sie sich nicht mit ihrem Beruf.
Vielmehr sieht sie ihn als ein notwendiges Übel an. Wenn es
ihr zu viel wird, entflieht sie dem Alltag: Sie fährt mit
dem Auto in die Wüste. Um die Ruhe der Umgebung zu genießen
und zu meditieren - ganz ohne ein Sunny Dunes Haus. Wie sie
so durch die Wüste fährt, verschmilzt sie förmlich mit
ihrer Umgebung. Sowohl Auto, Kleidung als auch Haare bilden
keinen Kontrast zu der sandfarbigen Landschaft. Dazu
erklingt die ruhige Autoradiomusik. Diese Bilder stehen im
deutlichen Kontrast zu den zuvor gezeigten hektischen
Bildern der Stadt: komplexe Strassenkreuzungen aus der Luft
gefilmt, abertausende Werbeschriften und uniformierte
Geschäftsmänner. Daria entflieht bewusst der
materialistischen Welt.
Die zweite Hauptperson ist
Marc: ein Student der ebenfalls seinen eigenen Weg geht.
Auch er ist der Stadt und der militanten Politik
überdrüssig. Er verweigert sich einer revoltierenden
Studentenvereinigung da er in ihr kein Potential für
Veränderung sieht. Als Ausweg wählt auch er die Flucht: er
stiehlt ein Flugzeug und überfliegt die Wüste.
Wie durch einen magischen Zufall treffen die beiden
aufeinander. Sie verbindet ihre Flucht vor der
kommerziellen Welt. Und beiden gelingt die Flucht. Diese
Flucht vereint die zwei Menschen. In einem Akt in der Wüste
berufen sich die beiden auf ihre tiefen Gefühle. Hier, in
der Wüste, können sie sich finden und ihren Gefühlen
Freiheit verschaffen. Diese Liebesszene inszeniert
Antonioni wie eine Welt in der die Gesetze aufgehoben
scheinen: Plötzlich sind die beiden nicht mehr allein,
sondern viele Paare tun es den beiden gleich. Jenseits des
kommerziellen Wahnsinns, jenseits aller Stadtmauern und
Geschäftsdenkens finden die Menschen zueinander und zu dem
was sie wirklich glücklich macht: Zwei Seelen haben sich
gefunden.
Antonioni liefert mit diesen Szenen oder vielmehr mit
diesem Film einen Vorschlag für eine Art Lebensphilosophie.
Er bittet beinahe seine Zuschauer bewusster zu leben und zu
genießen. Er stellt die materialistische Welt als begrenzt
und phantasielos dar. In dem er uns zwei Menschenseelen
zeigt, die es schaffen dem zu entfliehen, gibt er Hoffnung.
Hier haben es zwei Menschen geschafft, das ihre Gefühle
bedeutsamer sind als die alltäglichen Verlockungen der
Werbepolitik. Aber Antonioni wird im Verlauf des Films noch
deutlicher.
Die Unterdrückung der Liebe
Zwei Liebende haben es schwer. Sehr schwer sogar. Noch
berauscht von ihrem Glück erschüttert sie der
Wiedereintritt in die harte Realität Amerikas. Unmittelbar
nach ihrem Liebesereigniss werden die beiden von einem
Polizisten behelligt. Nachdem Marc beschlossen hat das
Flugzeug zu seinem Besitzer zurückzubringen, bemalen sie es
farbenfroh und phantasievoll. Die Aufschrift „No
Words“ soll alles sagen und den Besitzer zum Nach-
und Umdenken anregen. Die beiden möchten ihre innere Welten
nach außen zeigen und mit anderen teilen. Dies funktioniert
jedoch nur mit Mitmenschen, die bereit dazu sind dies
aufzunehmen. Die bewaffneten Polizeibeamten die Marc am
Flughafen mit Pistolen begrüßen haben für derartiges jedoch
keinen Zugang. Marcs Wiedereintritt (zumindest physisch) in
die Gesellschaft endet in der Katastrophe: er wird von
einem Polizisten erschossen. Das Sicherheitspersonal
zerstört den Traum der Liebe. Als Daria das über das Radio
erfährt ist sie erschüttert. Und sie weiß was zu tun ist:
In Gedanken sprengt sie symbolisch ein luxuriöses Hotel
mehrmals in die Luft. Damit wird Antonioni mehr als
deutlich: Daria wehrt sich gegen den materialistischen
american way of life. Sie erkennt das zerstörerische
Potential des Kapitalismus und beschliesst für sich dem
entgegen zu wirken. Kritiker Antonionis mögen ihm vorwerfen
Anarchie oder Terrorismus zu befürworten. Jedoch tun sie
ihm damit Unrecht. Daria zerbombt in ihrem Inneren die
Macht des Konsums. Sie wehrt sich dagegen sich von Werbung
und Konkurenzdenken manipulieren zu lassen. Und Antonioni
schlägt vor ihr auf diesem Weg zu folgen.
Zusammenhang zwischen Cronaca di un amore und
Zabriskie Point
Es ist doch so klar wie es verborgen ist. In beiden Filmen
geht es darum, inwieweit das Individuelle eines Individuums
von dem Kollektiv gefährdet wird. Paola flüchtete in eine
gehobene Gesellschaft - in die materialistische Welt. In
dieser Umgebung verlor sie die Fähigkeit nach ihren
Gefühlen zu handeln. Aus diesem Grund scheitert sie auch
als sie den Drang danach verspürt auf ihre Gefühle zu
hören. Als sie Guido wieder sieht hat sie den Drang ihr
Leben zu verändern. Anstatt einfach mit ihm in die
Strassenbahn zu steigen - klammert sie aber zu sehr an
ihrem Pelzmantel und den anderen teuren Schmuckstücken. Die
wären dann ja weg, wenn sie weg ginge. Da steht also Guido
gegen das Geld Fontanas. Oder anders formuliert: ihre Liebe
gegen ihre Geldgier. Paola schafft es nicht sich von den
materiellen Verlockungen zu lösen.
Wenn Paola die schwache Frau ist, so ist Daria die Starke.
Klar erkennt sie die Teufelsfalle ihrer Firma und entflieht
in die Einsamkeit der Wüste. In dieser Einsamkeit genießt
sie die einmalige Zweisamsamkeit mit einem Gleichgesinnten.
Alles wäre schön, wenn es doch nur die Welt ihnen
gleichtäte und es die Wächter der Politik in Form von
bewaffneten Polizisten nicht gäbe. Die nämlich zerstören
mit Gewalt Darias Liebe. Daria im Gegenzug findet es
notwendig die Strukturen des Bösen zu zerstören. Da es ihr
aber nicht wirklich hilft wenn sie ein Hotel in die Luft
sprengt sollte man das so deuten, das sie gegen alles
vorgehen will was ihren Gefühlen im Wege steht - und das -
so glaube ich kann nur im inneren eines jeden Einzelnen
passieren.
Antonioni erzählt in beiden Filmen davon, was dem Glück
eines jedem im Wege steht: nämlich die Beeinflussung zum
materialistische Denken. Gar nicht so sehr die Sunny Dunes,
sondern nur der Wunsch in einem solchen Haus zu wohnen. Die
Helden des Films finden sich dem ausgeliefert. Die
Verlockungen sich das scheinbare Glück zu kaufen sind stets
präsent. Schafft es der Held zu erkennen, das Glück nicht
kaufbar ist sondern ganz einfache scheinbare belanglose
Dinge bedeuten? Fest steht: die Vertreter der
kapitalistischen Strukturen reden uns aus, das es einfach
ist glücklich zu werden. Die Menschen hinter den
Werbefirmen grübeln wochenlang über einen Spruch oder einen
Spot nach, wie er wohl am überzeugendsten wäre. Er muss uns
überzeugen, das es nicht glücklich macht nur einfach so in
die Wüste zu fahren und Sex zu haben. Viel glücklicher ist
die Frau, wenn sie den reichlichen Platz der Sunny Dunes
Küche in der Wüste haben kann um für den Sohn und den
Herren des Sunny Dunes Hauses kochen zu können. Um diesen
Zwiespalt geht es (unter anderem) in den beiden Filmen:
Berufe ich mich auf mein Inneres oder lasse ich zu das die
materielle Welt mein Denken und Handeln bestimmt.
Dieser Zwiespalt lässt sich ernsthaft nur in Gesellschaften
untersuchen die kapitalistisch sind oder eine Tendenz dazu
entwickeln. Um der Thematik eine weitere Dimension zu
bieten möchte ich nun noch auf zwei weitere Filme
Antonionis eingehen. Was wenn ein Individuum welches im
Kapitalismus sozialisiert wurde in eine kulturell fremde
Landschaft und Gesellschaft geht. Dieser Frage nähert sich
Antonioni in Beruf: Reporter an.
3.
Beruf: Reporter – Ein Segen oder ein Fluch ?
Den Film Professione: reporter kann man - wenn man
das will - dazu benutzen um die zuvor beschriebenen
Gedanken weiterzuspinnen. Ich möchte das im nun Folgenden
tun. Jack Nicholson spielt die Rolle des Zerbrochenen:
David Locke ist Fernsehjournalist in England. Wir erfahren,
das er einen Fernsehfilm für BBC über Afrika erstellen
will. Wenn man bedenkt, dass ein Fernsehfilm im Schnitt
nicht länger als eine, maximal zwei Stunden ist, dann ist
das von Beginn an eine schwierige Aufgabe. Einen
Dokumentationsfilm über Afrika. Nicht über ein Land in
Afrika oder eine Ethnie oder einen Teil Afrikas, sondern
über den riesigen Kontinent insgesamt. Zu Beginn des Films
(Antonionis) befindet er sich (vermutlich) im
nordwestlichen Teil des Kontinentes. Ein Europäer der in
Amerika aufgewachsen ist kommt mit seinem Geländewagen in
eine Stadt im Norden Afrikas. Die ersten Bilder machen uns
klar: er hat und findet keinen Zugang zu der ihm fremden
Kultur. Er betritt einen Laden, worauf die daringewesenen
Afrikaner die Flucht ergreifen - ruhig aber zielstrebig.
Etwas besseres als Zigaretten zu verschenken fällt Locke zu
diesem Zeitpunkt nicht ein. Noch kann er sich in seinen
Geländewagen flüchten. Doch das Automobil was ihn von den
gewöhnlichen Afrikanern abhebt und irgendwie Schutz bietet
gerät auch an die Grenzen dessen Belastbarkeit. Im tiefen
lockeren Wüstensand muss sich Locke von seinem
schutzbietenden Metallkonstrukt verabschieden. Um Wut
abzulassen und um sich zu trösten schreit er in den Himmel
das es ihm egal sei. Nun muss Locke also zu Fuß durch das
Land gehen. Jedoch bleibt er weiterhin in seinen
programmierten Konventionen. Er hat nicht die Fähigkeit
sich den lokalen Begebenheiten anzupassen. Ja er startet
nicht einmal einen Versuch dahingehend, da er nicht auf die
Idee zu kommen scheint. Deutlich wird das zum Beispiel bei
seiner Wahrnehmung von Wasser. Halb verdurstet kommt er in
seinem Hotel an, haucht einen Mitarbeiter an, dass er
Wasser bräuchte, als sei es das höchste Gut auf Erden. Was
es ja auch tatsächlich ist in der Umgebung der Wüste.
Jedoch kann er anscheinend keine Parallelen zwischen dem
Trinkwasser das er von dem Mitarbeiter gebracht bekommt und
dem Wasser das aus der Leitung kommt sehen, da er es
achtlos verschwendet. Hierin sehe ich den Mangel Lockes
sich in die Sichtweise der Afrikaner einzudenken. Für Locke
dient das Leitungswasser ausschließlich zum Waschen in
Kombination mit Seife. Das ist in England ein kaum
beachteter alltäglicher Vorgang. Das Wasser was aus der
Leitung kommt hat keinen besonderen Wert. Hier jedoch mutet
sein minutenlanges Verschwenden von dem kostbaren Gut
arrogant und unverantwortlich an. Kaum einem Afrikaner käme
auf die Idee das Leitungswasser nicht zu trinken,
geschweige denn es zu verschwenden. Wenn Locke nicht hinter
die einfachsten Unterschiede gekommen ist und sie beachtet,
so lässt sich vermuten, dass er einen sehr begrenzten
Zugang zum Leben und Denken der Afrikaner hat. Aber er ist
dabei einen Film über den Kontinent zu drehen.
Als er sich in der fremden Umgebung findet, blickt er auch
auf das eigene Fremde. Er bewegt sich in einer Umgebung die
losgelöst von den gewohnten Konventionen funktioniert. Da
Locke es nicht schafft sich in die Fremde einzugewöhnen,
habe ich den Eindruck dass er sich fremd in seiner eigenen
Haut fühlt. Das Eintauchen in eine fremde Kultur kann, wenn
man es „richtig“ angeht zur persönlichen
Entfaltung beitragen. Man sieht die unterschiedliche
Lebensweise in einem fremden Land und beginnt sich zu
vergleichen. Die Frage stellt sich „Wer bin
ich?“ wenn man erkennt das andere Menschen ganz
anders leben und denken. In einer fremden Kultur bemerkt
man die Auswirkungen der eigenen Sozialisierung. Und man
vermag diese aus gewisser Distanz zu betrachten. Zudem
blickt man auf wirtschaftliches und politisches
Funktionieren aus einem anderem Blickwinkel. Dies ist
allerdings nur dann möglich, wenn man die Kultur in der man
sich befindet als fremd aber dennoch als ebenfalls
funktionierend ansieht. Ein Gedanke wie das deren Bräuche
falsch sind, lassen keinen gleichwertigen Vergleich zu.
Läßt man sich allerdings auf einen Vergleich ein, so kann
es vorkommen, das man auch Seiten in sich selbst erkennt,
die man so zuvor noch nicht erkannte. Andere Dinge die man
sein ganzes Leben als selbstverständlich hingenommen werden
in ein Licht gerückt, in welchem man kritischer damit
umgeht. Kurzum, das Loslösen von den allgemein akzeptierten
und für selbstverständlich gehaltenen Werten und
Konventionen kann zu einer unglaublichen persönlichen
Bereicherung führen. Locke allerdings schlägt einen anderen
Weg ein. Er findet keinen Weg zu sich selbst, sondern spürt
das Bedürfnis sich von seiner Identität zu distanzieren.
Ihm bietet sich eine zufällige Bekanntschaft als
Möglichkeit der Flucht an. Frustriert aufgrund mangelndes
Zuganges fühlt er sich fasziniert von dem Leben seines
Hotelnachbarns, dessen Weltanschauung eine ganz andere ist.
Robertson ist sein Name und er findet leicht Zugang zu den
Menschen vor Ort. Welch unterschiedliche Sichtweise die
beiden auf die afrikanische Kultur haben, zeigt sich in
deren Dialog. Roberston empfindet den Anblick der Wüste als
wunderschön und bezeichnet es als eine Art von Warten.
Später erfahren wir das er damit das Warten der darin
lebenden Menschen meinen könnte, die in der Wüste darauf
warten politische Veränderungen zu erkämpfen. Locke
allerdings kann der Wüste nichts dergleichen abgewinnen und
äußert sich dahingehend das er Menschen den Landschaften
vorziehe. Robertson sieht allerdings auch die Menschen und
nimmt deren Lebensumstände wahr. Er weißt Locke darauf hin
das es Menschen gibt die in der Wüste leben. Wohl auch
durch die Gespräche mit Robertson, aber vermutlich vor
allem aufgrund des Gefangenseins in sich selbst fühlt sich
Locke unwohl in seiner Haut. Er möchte aus sich raus. Was
ist es was ihn nervt? Später meint er, es sei der
erfolgreiche Beruf den er ausübt, das adoptierte Kind und
sein Haus. Antonioni gibt dem noch seinen persönlichen
Kommentar dazu: Bevor Locke eben erwähnte Gründe aufzählt
betont Antonioni die Schnelllebigkeit der
Industriegesellschaft indem er mit Hilfe von Reissschwenks
vorbeifahrende Autos zeigt, anstelle der beiden sprechenden
Hauptfiguren. Die Individuen werden unbedeutsam und
verschwinden in der materialistischen und rasanten
westlichen Welt. Davor will Locke davonlaufen. Ein
möglicher Weg wäre sein Leben zu verändern - es mit neuen
Zielen und Wünschen zu bereichern. Jedoch bringt Locke
dafür nicht die Kraft auf, sondern er wählt einen anderen
Weg: Er versucht sein Leben zu verändern in dem er sein
Foto aus dem Reisepass mit dem von seinem verstorbenen
Hotelnachbarn austauscht. Die einzige Möglichkeit aus
seinem festgefahrenen Leben ein erfülltes Dasein zumachen
scheint für ihn die Vortäuschung gestoben zu sein, und in
die Identität eines anderen zu schlüpfen, zu sein. Von dem
freiheitlichen Lebensstil das er in wenigen Sätzen von
Robertson präsentiert bekam, schien Locke sich angezogen
gefühlt zu haben. Als sich ihm die Gelegenheit bot,
versuchte Locke seine Identität auszutauschen. In dem
Moment distanziert sich die Sicht Antonionis auf Locke. Als
Locke nachdem er seinen Pass gefälscht hat sich aufmacht um
als Roberston nach Europa zu gehen, deutet uns die Kamera
einen subjektiven Blick auf das Foto von Mrs Locke an.
Wenig später müssen wir feststellen, das es doch nicht der
Blick von Locke war. Locke sah sich während wir das Foto
anschauten und uns vielleicht dachten, jetzt denkt er an
seine Frau und bereut es ein klein wenig, während dessen
sah sich Locke ein Buch an. Der (scheinbare) subjektive
Blick verführte zu einer Identifikation mit Locke, die sich
unmittelbar im Anschluss umkehrt und wir erkennen das wir
uns in Locke getäuscht haben. Wenn man will, kann man darin
erkennen, das Antonioni uns sagen will: auf die Art wie
Locke seine Unzufriedenheit angeht, das ist nicht der
richtige Weg.
Ein Film über den Filmemacher
Mit der Überschrift meine ich beides: sowohl Lockes nicht
fertiggestellten Dokumentarfilm als auch Antonionis
vollendeter Film der jedoch nicht mit dem Schluss endet
sondern im Kopf des Zuschauers zu Ende gedacht werden muss
oder kann. Zuerst möchte ich aber auf den unfertigen
Dokumentarfilm von Locke eingehen. Nach seiner Aussage ist
er auch vor seinem Job davon gelaufen. Locke ist (oder war)
ein erfolgreicher und anerkannter Filmemacher. Das heißt
auch, das er den Erwartungen des Publikums und somit den
Erwartungen der Produzenten gerecht wurde. Was für Filme
machte Locke? Ich vermag es nicht, über das Lebenswerk von
Locke zu erzählen, da der Film ja nur wenige Ausschnitte
zeigt. Auf den mir am wichtigsten erscheinenden möchte ich
nun eingehen.
Das Gespräch mit dem Medizinmann, welches wir zu Gesicht
bekommen, da es Lockes Frau betrachtet, verrät viel über
die Herangehensweise Lockes an sein Thema. Der europäische
Filmemacher kommt nach Afrika, setzt sich unter eine Plane
mit einem angesehen Mitglied der Gesellschaft. Die Fragen
die der Reporter stellt entlarven seine eurozentristische
Sicht auf die Menschen Afrikas. Er deutet an das er die
afrikanischen „Stammessitten“ als rückständig
und gar falsch ansieht. Da der Medizinmann mehrere Jahre in
Europa war, erwartet Locke, dass er diese ebenso
betrachtet. Als Locke diese Erwartung bestätigt haben
möchte, beginnt der Medizinmann allerdings das Interview
mitzugestalten und Lockes Sicht auf seine Kultur als
begrenzt zu entlarven. In dem Moment - als das Gespräch
interessant zu werden verspricht - bricht Locke die
Aufnahme ab. Es lässt sich vermuten, das er Angst davor
hatte sich offenbaren zu müssen, seine distanzierte
Stellung hinter der Kamera aufgeben müsste. Der gemeine
Zuschauer ist aber auch gar nicht interessiert daran ein
Gespräch zu sehen, das von einem afrikanischen Medizinmann
geführt wird und wo der weiße Reporter seine gehobene,
manipulierende Rolle aufgeben muss. Der Fernsehmarkt bietet
kaum Möglichkeiten für derart ethnologische Berichte, und
schon gar nicht der kommerzielle Fernsehmarkt. Deutlich
wird dies auch bei der Reaktion eines Mitarbeiters (welcher
das gesammelte Material zu einem Film verarbeiten will) auf
das Interview: Als er sieht das Lockes Frau sich das
Gespräch ansieht, wundert er sich gelangweilt darüber, dass
sie für etwas derartiges Interesse zeigt. Das
Massenpublikum will nicht seinen distanzierten Blick auf
die Kulturen Afrikas aufgeben, weil es so erzogen wird,
also will es auch kein Produzent finanzieren und darum will
es Locke auch nicht herstellen. Dies ist Teil der Erziehung
(deutlicher: Manipulierung) in der westlichen Welt: Das
Gezielte Festfahren von Ideen. Wir können zwar
unterschiedliche Parteien wählen aber im Prinzip dominiert
stets die Erhaltung unseres Systems Wirtschaft die Politik.
Individuen werden zu Massen zusammengefasst und aufgrund
ihrer Wirtschaftlichkeit erzogen. In der Zeit der
Kolonialisierung wurden die westlichen Werte und Kulturen
als höherwertig eingestuft. Die Weißen waren die
Herrenrasse welche die „„Wilden““
ausbeuten durften. Noch heute funktioniert das
Weltgeschehen auf diese Art und Weise, nur unter anderen
Begriffen und anderen Dimensionen. Wieviele Menschen können
sich vorstellen, dass zum Beispiel Äthiopien kulturell
reicher und historisch bedeutsamer als Deutschland ist? Wir
werden daraufhin ausgebildet, Gläubige zu sein, dass unser
System mit all seinen Errungenschaften der Demokratie,
Wissenschaft und des Kapitalismus das beste sei. Denn wenn
die Masse es nicht glauben würde, bestünde die Gefahr eines
Umbruchs - in welche Richtung auch immer. Was wäre, wenn
nicht wir die 1. Welt wären und Afrika nicht die sogenannte
3. Welt? Aber zum Glück sind „wir“ es ja die
Geld für Entwicklungspolitik und Massenmedien haben. Und
zum Glück sind wir es ja die die „3. Welt“ mit
einem netten Lächeln ausbeuten können - denn deren Sitten
sind ja rückständig. Und somit tun wir ihnen ja nur Gutes,
wenn wir sie ihnen nehmen und ihnen statt dessen unsere
Werte aufdrücken. Die Mehrheit der Bevölkerung denkt in der
Art und Weise, würde es jedoch in anderen Begriffen
ausdrücken. Doch zurück zu der Rolle Lockes: Locke arbeitet
nach den Regeln des Marktes und unterstützt somit diese
Begrenztheit der Ideen. Gleichzeitig ist er aber auch Opfer
dieser Gedankenbeeinflussung. Es handelt sich um einen mehr
oder weniger gewöhnlicher Bürger der sich in das Kollektiv
einzugliedern gelernt hat. Oder anders gesagt jemand der
mehr den Erwartungen der anderen entspricht als das er auf
sein Inneres Selbst hört oder es erforscht.
Es ist schwierig die Intentionen der Hauptfigur eines
Filmes analysieren zu wollen. Mir ist bewusst, dass da auch
immer viel vom Interpretierenden selbst hineingesponnen
wird, aber da es nach meinen Begriffen ein so klares Bild
liefert auch im Kontext der zuvor beschriebenen Filme,
möchte ich mich doch ein wenig darauf einlassen. Man möge
es mir nachsehen.
Ich behaupte einfach mal, dass Locke im Inneren damit
unzufrieden ist, wie er Tag für Tag den Erwartungen seines
Produzenten gerecht werden will. Im Laufe der Jahre hat er
dessen Erwartungen (die den Erwartungen des Massenpublikums
entsprechen) übernommen. Er hat es verlernt seinen
persönlichen Zielen und Intentionen nachzugehen. Da Locke
auch unzufrieden mit seiner Ehe ist - lässt sich das auch
im beschränkten Masse auf sein Privatleben übertragen.
Darüber erfahren wir nicht allzu viel, wir wissen wohl aber
das es ihn nicht erfüllt, da er ohne mit der Wimper zu
zucken es hinter sich lässt. Am Ende des Film erfahren wir
zumindest das auch Lockes Frau sich eingestehen muss, ihren
wahren Ehemann niemals gekannt zu haben. Fakt ist, das
Locke unzufrieden ist. Nahe liegt das er aufgrund von
mangelnder Selbstverwirklichung derart gestimmt ist. In
meinen Augen suggeriert Antonioni das. Ähnlich wie in den
zuvor beschriebenen Filmen behandelt auch Beruf: Reporter
die Frage wie der Held damit umgeht. Lockes Entscheidung
wird durch einen Zufall begünstigt, wobei man hier nicht
unbedingt von Begünstigung sprechen sollte. Der Zufall:
sein ähnlich aussehender Hotelnachbar stirbt. Für Locke ist
es einfacher seine Identität auszutauschen als sein Leben
zu verändern. Er hat sich auf sein Leben festgefahren oder
festfahren lassen. Sein Leben bot ihm keine
Entfaltungsmöglichkeiten. Antonioni sagt es nie detailliert
explizit wie es so weit kommen konnte. Jedoch deutet Locke
es an, das es die materialistische Welt in der er lebt ist
und das Degenerieren des Individuums in dieser Welt.
Bereicherung sieht Locke in Robertson, der der
materialistischen Welt scheinbar entfliehen konnte. Ein
Globetrotter der nirgends zu Hause ist, und das Leben so
nimmt wie es kommt. In diese Rolle will Locke schlüpfen.
Doch damit nagelt er bereits seinen Sarg zu. Er strebt die
Freiheit an,die er in Roberston gesehen hat und begibt sich
damit notgedrungenermassen in eine neue Abhängigkeit: die
Rolle Roberston zu spielen. Auch mit dieser Lösung kann er
sich nicht wirklich entfalten oder sich selbst sein - denn
er lebt immer noch dasselbe Leben - nur das er jetzt davor
wegläuft. Wie er es auch dreht und wendet - zu sich findet
Locke dadurch nicht. Auf recht dramatische Weise macht er
dies in einer Anekdote deutlich: als er über einen
Bekannten erzählt der blind war. Die Parallelen zu seiner
eigenen Person sind dabei mehr als deutlich: sein Bekannter
war 40 Jahre blind, läßt sich dann operieren, kann wieder
sehen, erfreut sich an den schönen Farben und erkennt dann
das die Welt in Wirklichkeit häßlich ist. Als Reaktion auf
diese Erkenntnis schließt er sich in sein Zimmer ein und
begeht nach drei Jahren in der Dunkelheit Selbstmord. Locke
ebenfalls um die 40 ist mit seinem Leben unglücklich, macht
eine Passbildtransfusion, sieht jetzt die Welt wie
Robertson (dessen Sicht auf die Welt eine ganz andere ist
wie die beiden im Gespräch sich einigten) erfreut sich
kurzzeitig an dem Entflohensein aus der Blindheit doch muss
dann bald erkennen, das auch Roberston Schwierigkeiten aus
dem Weg zu gehen hatte und diese Schwierigkeiten hat er
jetzt geerbt. Interessanterweise wird die Schwierigkeit
durch verschiedene Regierungen verkörpert und von immer
wieder nervenden Polizisten. Der Blinde von dem Locke
erzählt starb nach drei Jahren Dunkelheit in seinem Zimmer
an Selbstmord. Auch Locke schließt sich am Ende in seinem
(Hotel-) Zimmer ein. Eingeschlossen in der Dunkelheit läßt
er für sich seine neue junge Freundin, die ebenfalls
Umherreisende ist, aus dem Fenster blicken. Er fragt sie
nicht sehend zweimal was sie denn da draußen sähe. Und
wenig später liegt Locke in seinem Bett und ist tot. Wir
wissen nicht genau ob es Selbstmord war oder ob Vertreter
der Regierung ihn haben ermorden lassen. Aber wie auch
immer - im übertragenen Sinne kann man einen Selbstmord in
dem Moment ansiedeln, als Locke seinen verstorbenen
Hotelnachbarn in sein Bett legte und ihn als sich ausgab.
Zudem finden die Polizisten Locke in ähnlicher Position in
welcher Roberston verstarb.
Dramaturgisch endet der Film hier, jedoch sprach ich davon
das der Film nicht zu Ende ist, wenn er zu Ende ist. Das
ist sicherlich eine Qualität die viele Antonionifilme
auszeichnen, aber hier ist es besonders schön inszeniert.
Locke ist die Hauptfigur des Filmes. Auch wenn sich die
Kameraarbeit an manchen Stellen von ihm distanziert, so
liefert Locke doch in weiten Teilen des Films
Identifikationsfläche. Darauf geht der Film am Schluss noch
mal auf subtile Art und Weise ein. Wir (die Kamera)
befinden uns mit Locke in dem eingeschlossenen Hotelzimmer.
Das große helle Fenster füllt nahezu die gesamte
Kinoleinwand. Das Fenster steht für den Blick nach außen
und noch weiter gedacht für das lebhafte außerhalb der
Mauern und im Kontext meiner Untersuchung auf das Leben
nach individuellen Bedürfnissen. Und das Fenster ist
vergittert. Nichts kann nach außen oder von Außen herein.
Und Locke ist müde auf das Bett gefallen. Müde vom
Davonlaufen - vor der Polizei und vor sich selbst. Seine
Freundin, gespielt von Maria Schneider erscheint im Bild.
Sie ist nach außen gegangen. Wir sehen sie klein auf der
Strasse stehen. Sofort kam mir ihre leichte Lebensart und
natürliche Weise das Leben zu genießen in den Sinn, wie sie
auf dem Rücksitz des Wagens ihre Arme ausstreckte und den
Wind in ihrem Haar spürte. Und Locke liegt auf dem Bett.
Wir sehen ihn nicht. Aber wir wissen das er uns (oder
genaugenommen der Kamera) sehr nahe ist. Jetzt begibt sich
die Kamera auf eine Reise. Wir gehen immer näher zu dem
Fenster. Die Gitterstäbe kommen immer näher - und wir
lassen Locke hinter uns. Und dann macht die Kamera etwas
wunderbares, sie verlässt den Raum durch die engen
Gitterstäbe und begibt sich auf die Strasse. Sie verläßt
Locke. Sie läßt ihn alleine in seinem Zimmer. Und mit ihr
verlassen auch wir unsere Identitätsfigur. Später wissen
wir das Locke in diesen Minuten ums Leben kam. Während wir
ihn verlassen haben und uns zu Maria Schneider begaben
verstarb Locke. Ich kann nicht anders als darin eine
Aufforderung Antonionis zu sehen - es nicht wie Locke
anzugehen. Sein Leben nicht auf oberflächliche Weise
verändern zu wollen. Wir sollen uns vielleicht ein Beispiel
an dem Lebensstil welches Maria Schneider suggeriert
nehmen. Maria Schneider kann man auch als Alter Ego von
Locke begreifen, da sie das auszufüllen scheint, was Locke
fehlt: Leichtigkeit, Sorgenlosigkeit und Freiheit. Zudem
bekommen wir auch explizite Hinweise zu einer solchen
Interpretation: sie besitzt einen Pass mit dem Namen,
welchen Locke angenommen hat. Wenn wir nun zum Ende des
Films uns von Locke distanzieren, ihn verlassen, dann
wenden wir uns nun seiner zweiten Seite zu. Ein jeder
Zuschauer kann Teile von der weiblichen als auch von der
männlichen Figur benutzen um sich mit selbiger Person zu
identifizieren. Somit sind wir beides: Maria Schneider und
Locke. Am Ende überwinden wir die Seite in uns, die Locke
verkörpert: den Teil der verliert. Und wenn das ein Schritt
zu weit sein sollte dann möchte ich doch wenigsten darauf
beharren, das Antonioni uns mit Lockes Lebensweg ein
abschreckendes Beispiel zeigen wollte.
Die drei untersuchten Spielfilme
Bevor ich mich nun auf den Dokumentarfilm über China
einlasse, möchte ich gerne ein kurzes Resümee ziehen. In
den drei Spielfilmen Cronaca di un amore,
Zabriskie Point und Professione: reporter
wird die Beziehung des Individuums zu seinem Kollektiv
thematisiert. Diese Beziehung wird in allen drei Filmen als
problematisch dargestellt. In Cronaca di un amore
und Zabriskie Point scheitert die Liebe zweier
Menschen aufgrund der Umstände in denen sie Leben. In
beiden Fällen legt die Verführung zum materiellen Denken
dem Paare Steine in den Weg. Während Paola in Cronaca
di un amore sich dieser Verführung nicht entziehen
kann, so schafft Daria dem Konsum den Rücken zu kehren. In
Professione: reporter wird die Flucht vor dem
festgefahrenen Leben thematisiert. Aus allen drei Filmen
ziehe ich die Erkenntnis, das Antonioni den Zuschauer
aufklären will über die Zustände in denen sie Leben. Sie
dienen zur Bewusstmachung der Auswirkung der politischen,
wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen. Zum
anderen dient das Filmemachen über derartige komplexe
Themen sicherlich auch zu einer Art Selbsttherapie.
Inwieweit sich der Zuschauer auf Antonionis mögliche
Intentionen einlässt hängt von Fall zu Fall ab. Für mich
persönlich ist die Beschäftigung mit dem Werk Antonionis
immer wieder hilfreich, da die Filme mit mir zu sprechen
scheinen. Sie erwecken Gedanken, die ich während und nach
dem Film noch zum Ende bringen muss. Und die Gedanken gehen
nicht in die Richtung, dass Antonioni ein pessimistisches
Weltbild präsentiert. Sondern die Filme fordern im
Gegenteil zu Optimismus und Hoffnung auf. Dies läßt sich
nicht nur zu den drei untersuchten Filmen sagen, sondern
diese Grundstimmung zieht sich meiner Meinung nach durch
das gesamte Werk Antonionis. Antonioni erzählt zwar oft von
Menschen die scheitern - aus unterschiedlichen Gründen,
aber die Wahrnehmung der Filme muss ja nicht zwingend mit
dem Gesagten übereinstimmen. Ich für meinen Teil hatte bei
allen Antonionifilmen das Gefühl, dass sie Hoffnung geben
wollen. Wir sehen zwar Paare die Scheitern oder Menschen
die Zerbrechen, jedoch bietet Antonioni immer noch so viel
Halt für den Zuschauer, das der sich ein anderes Ende
vorstellen kann. Es gibt immer Punkte in dem Leben der
Figuren, an denen sie sich hätten anders entscheiden können
und anders handeln können. Ich fühle mich von Antonioni
aufgerufen mir auch die anderen Ausgänge der Filme in den
Sinn zu rufen. Was wäre denn wenn Paola auf ihr Herz gehört
und den Pelzmantel abgetan hätte? Ist es nicht vorstellbar,
dass sie dann glücklich mit Guido hätte werden könnte? Und
was wäre wenn Marc nachdem er das Flugzeug zurückgebracht
hat, nicht versucht hätte erneut zu fliehen, sondern sich
mit dem Besitzer unterhalten hätte? Wäre es nicht möglich
dass er mit Daria noch einmal in der Wüste Frieden gefunden
hätte. Oder noch zweimal? Und was wäre wenn Locke im Rahmen
seines Lebens Veränderungen angestrebt hätte? Die Figuren
wählen oft den Weg der ins Scheitern führt. Dies sehe ich
als Aufforderung Antonionis ihnen diesen Weg nicht zu
folgen. Stattdessen sollen wir uns deren Fehler bewusst
machen und unseren eigenen persönlichen Weg
wählen.
Den letzten Film
den ich betrachten möchte gilt eine Sonderstellung im Werk
Antonionis beizumessen: seinen Dokumentarfilm über China.
Hier verlassen wir nun die Ebene in der wir einzelnen
fiktiven Figuren auf deren Weg beobachten. In diesem Film
blickt Antonioni direkt auf das Kollektiv. Und auch dieser
Film läßt sich dazu benutzen Antonionis Blick auf die
Beziehung zwischen dem Individuum und der Gesellschaft zu
untersuchen.
4.
Da wo alles anders ist – Antonionis China
Sie , die Chinesen bilden die Hauptfiguren seiner
Filmnotitzen. Antonioni bildet sich nicht ein, sie erklären
zu können. Er will sie beobachten. Beobachtungen in einer
Zeit der Veränderungen, in einem Land das Jahrtausende alte
Traditionen kennt. Was sind das für Beobachtungen, die uns
Antonioni präsentiert? Er betrachtet die Gesichter der
Menschen in den Städten und Dörfern. Er betrachtet die
Lebensweise der Menschen und bezeichnet sie als so fremd.
Unruhe und Hast scheinen den Chinesen fremd zu sein. Zudem
betrachtet er den Alltag in denen die Chinesen leben. Ihre
Arbeitswelt und den Einfluss der Politik. Immer wieder
betont Antonioni wie sehr die Menschen im und für das
Kollektiv leben. Fabriken bilden kleine eigenständige
Gemeinden: sie beinhalten Schlaf- und Wohnplätze und
Kindergärten. In den Schulen wird im Gleichschritt
marschiert und die Gemeinschaft durch sportliche
Aktivitäten gepflegt. Antonioni interessiert es wie die
Menschen in diesen Umständen leben. Wenig Interesse hat er
für die großen Sehenswürdigkeiten des Landes oder die
Plätze welche historische Begebenheiten präsentiert.
Antonioni bleibt ganz nah an den Menschen, beobachtet sie
wie sie leben. Zudem stellt er den Bezug immer wieder zu
ihrer Umgebung her. Es ist die Sicht eines Italieners auf
die Menschen Chinas und ihre Beziehung zu ihrem Umfeld.
Von besonderem Interesse ist dabei der Unterschied zwischen
Stadt und Land. Antonioni zeigt ein Dorf in den Bergen
Chinas. Laut seinem Kommentar haben die Einwohner hier noch
nie Menschen aus dem Westen gesehen. Fasziniert spielt die
Kamera mit der Begegnung. Dabei respektiert sie stets ihr
Gegenüber. Während dieser Begegnung stellt Antonioni fest,
das er es ist, mit seinen seltsamen Bewegungen und der
bleichen Haut der fremd ist. Er erkennt sein Eindringen in
das Dorf und ist gleichzeitig fasziniert von der Reaktion
der Bewohner die sowohl verschreckt als auch freundlich
ist. Hier zeigt Antonioni nicht wie die Menschen in dem
ländlichen China leben, sondern wie sie darauf reagieren,
das ein weißer Filmemacher in ihr Gebiet kommt. Dabei macht
er die Annäherung an das soziale Feld transparent. Somit
schildert er ein zwischenmenschliches Aufeinandertreffen,
wie es nicht alle Tage zu sehen und zu erleben ist.
Von der Stadt Shanghai liefert er völlig anderes Bild. Zwar
beobachtet er auch hier die Gesichter der Menschen, jedoch
ist die Annäherung zu Ihnen weit distanzierter. Wir sehen
Massen die in Bewegung sind und vor allem eines: eine
industrialisierte Stadt. In einer Passage zeigt uns
Antonioni die Fassade der Stadt: er filmt im Vorbeifahren
die Häuserkette und die Strassen. Die Menschen verwischen
zu unerkennbaren Schatten in der Stadt. Diese Bilder passen
gut zu ähnlichen Bildgestaltungen aus Antonionis
Spielfilmen. Gerade zu Beginn von Zabriskie Point
findet man eine nahezu identische Kamerafahrt: aus dem Auto
von Mark sehen wir die Fassade der Studentenstadt an uns
vorbeisausen: Gebäude und vor allem riesige Müllberge die
aufgrund der Geschwindigkeit zu einem diffusen Nichts
verwischen. Auch in Chung Kuo-Cina baut Antonioni
die Entfremdung des Menschen in der Stadt in seinen Film
ein. Zudem folgt darauf die Betrachtung eines
Industrieparks. Auch hier verschwinden die Menschen
innerhalb der großen Maschinen. Wenig später erwähnt
Antonioni auf der Ebene des Kommentars, das Shanghai eine
Stadt sei, die regelrecht vom ausländischen Kapital
erfunden sei. Der Handel mit der Außenwelt habe die
Dimensionen des Stadt geprägt.
Neben dem Unterschied
zwischen Stadt und Land fasziniert Antonioni vor allem die
Erziehung der Menschen. Wir beobachten alle
Entwicklungsstufen der Kinder. Wir sehen ein Kind bei einer
Geburt, wir beobachten Kinder im jungen Alter in den
Kindergärten, wie sehen mehrere Schulen, wir verfolgen
Studenten, sehen junge Arbeiter, alte Arbeiter und lernen
wie Chinesen mit Verstorbenen umgehen. Thema aller
Betrachtungen ist auch die Erziehung zum Leben in der
Gemeinschaft. Kinder laufen im Gleichschritt zu ihrer
Schule, besingen die rote Revolution im Kindergarten,
führen ein Schauspiel auf indem die Jungen den Kampf der
Bauern mit Lanzen vorführen, sehen wie Studenten in die
ländlichen Kommunen marschieren mit den Schaufeln getragen
wie Gewehre. Wir sehen Arbeiter bei ihrer Arbeit die in
Massen für die Massen arbeiten. Und immer wieder sehen wir
über all den Menschen die sich auf das Leben in der
Gemeinschaft vorbereiten oder das Leben in der Gemeinschaft
pflegen, Bilder von Mao oder Inschriften welche die Größe
Maos preisen. Wir sehen unzählige Fahrräder dicht gedrängt
beieinander stehen. Individuen verschwinden in der
Menschenmasse. Antonioni bemühte sich dennoch gerade die
Gesichter zu zeigen. Immer wieder finden wir Nahaufnahmen
von Gesichtern die mit neugierigen Augen die Kamera
anblicken. Meist ist das nur ein Gesicht von unzähligen,
die um den Menschen im Bild herumstehen, gefilmt mit langer
Brennweite. Auch hier in dem Dokumentarfilm beschäftigt
sich Antonioni mit dem Verhältnis von Individuum zum
Kollektiv. Die Auswahl der letzten Passagen des Films
behandeln dieses Verhältnis. Wir sehen den Industriepark
von Shanghai, gefolgt von Aufnahmen der Arbeiter die in
Massen auf LKWs zu ihrer Arbeit gefahren werden. Wenig
später beobachten wir ein (zumindest für das westliche
Auge) unwirkliches Bild: mit Hilfe eines Topshots blicken
wir auf einen Platz wo sich viele Menschen befinden, die
sich alle kaum bewegen. Sie betreiben eine chinesische
Variante der Gymnastik. Bizarr mutet das Bild an, wie von
Menschen die stillstehen, ähnlich wie Robotern denen der
Strom ausgegangen ist. Was auf diese Bilder folgt ist ein
Besuch in einer Theateraufführung. Die Schauspieler: Puppen
die in einem Orchester Musik spielen. In liebevoller Art
und Weise wird das Publikum von nichtlebenden
Menschennachbildungen unterhalten. In Verbindung mit dem
Kommentar der zuvor unterlegt wurde lassen sich Parallelen
zwischen den Chinesen und den Puppen ziehen: Du kannst das
Fell des Tigers zeichnen doch nicht seine Knochen. Du
kannst das Antlitz eines Menschen zeigen doch nicht sein
Herz. Wir sahen in dem Film zwar Figuren die Teile der
chinesischen Gesellschaft sind, Menschen die scheinbar ihre
Individualität für den Sozialismus opferten, jedoch konnten
wir nicht das Herz der Menschen sehen. Wir sahen die Rolle
die die Menschen spielen, die Rolle die ihnen von früh an
beigebracht wird. Sie lernen in der Schule sich in der
Masse zu integrieren, doch einen Blick in deren Inneres
wird damit nicht gerecht. Auch in der sozialistischen
Gesellschaft zielen die Erziehungspolitik und deren
Massnahmen darauf ab, die Masse zu entindividualisieren.
Der Mensch muss - ob er nun in China, Italien oder Amerika
lebt - einen Teil seiner Individualität opfern um
gesellschaftsfähig zu sein. Und gesellschaftsfähig bedeutet
von Staat zu Staat etwas anderes. Ebenso bedeutet es
innerhalb eines Staates aber in unterschiedlichen Epochen
etwas unterschiedliches. Galt über Jahrhunderte der
Buddhismus als fester Bestandteil des chinesischen Lebens,
so zielt die Politik Chinas zur Zeit der Dreharbeiten
darauf ab, dies als antike Kuriosität abzustempeln. Was
jedoch in allen Epochen und in allen unterschiedlichen
Staaten gleich zusein scheint, ist der Verlust der
Individualität des Einzelnen. Wir werden zu Rollenspielern,
zu Puppen in einem Theater erzogen. Der darauffolgende
Zwiespalt im Inneren eines jeden vollzieht sich bei dem
einen bewusster, der andere beachtet ihn kaum und andere
wiederum verleugnen ihn ihr Leben lang. Wie unterschiedlich
die Menschen damit umgehen, präsentiert uns Antonioni in
seinen Filmen.
Den Film Chung Kuo-Cina kann man daher als Rahmen
vom Werke Antonionis betrachten. Hier wird uns explizit
darauf hingewiesen, wie Menschen in ihr Kollektiv eingewebt
werden. Unter der Führung einer Regierung werden die Massen
daraufhin ausgebildet, den Werten und Idealen der Regierung
zu entsprechen. Diese Entindividualisierung findet auf
allen Ebenen der Gesellschaft statt. Nicht nur Lehrer
bilden die Menschen dahingehend aus sondern die Menschen
auch ihre Mitmenschen. Antonioni beobachtet beispielsweise
bei einer Sportveranstaltung ein Mädchen auf den
Zuschauerplätzen, welches von ihrer Nachbarin angehalten
wird die Sportler ebenso anzufeuern wie es die anderen tun.
Wenig später sehen wir über den Zuschauerrängen das Plakat
Maos, welches über das Sportfeld zu wachen scheint.
Die Entfremdung des
Einzelnen von sich selbst aufgrund seiner Zugehörigkeit zur
Gesellschaft findet sich in nahezu allen Antonionifilmen
wieder. Ich habe in meiner Auseinandersetzung 4 Filme
ausgewählt. Den Zusammenhang der 4 Filme möchte ich nun
abschließend noch einmal kurz zusammenfassen.
5.
Alles noch mal von vorne...
Vor dem Hintergrund der Thematik des Dokumentarfilms
Chung Kuo-Cina habe ich drei weitere Filme
Antonionis untersucht. Die Thematik stellt die Beziehung
zwischen Individuum und Gesellschaft dar. In Chung
Kuo-Cina selbst beobachtet Antonioni die Prozesse der
Eingliederung in die Gesellschaft. Wir beobachten
Erziehungstechniken, Alltagsgeschehen und politische
Maßnahmen. Dabei wird immer wieder betont wie sehr die
chinesische Gesellschaft auf Gleichschaltung ausgelegt ist.
Am Ende des Filmes wird nahegelegt, dass von außen
betrachtet der eigene Wille der chinesischen Bürger den von
Puppen gleichkommt die durch Stäbe bewegt werden. In den
drei Spielfilmen die ich exemplarisch von Antonioni
untersucht habe betrachten wir Einzelschicksale von
Mitgliedern der Gesellschaft. Und immer beobachten wir
dabei den Kampf um die Bewahrung der Individualität des
Einzelnen. In zwei der drei Filme schafft es die Hauptfigur
nicht, dem Druck der gesellschaftlichen Konventionen Herr
zu werden. Wir beobachten ihr Ringen um die Bewahrung der
eigenen Persönlichkeit, doch wird ihr ständig Steine in den
Weg gelegt.
Antonionis Filme sind (bis
auf Blow up) keine kommerziellen Erfolge geworden.
Und das ist auch verständlich, denn schließlich sind die
Filme nicht so leicht zu verdauen wie die Mainstream
Produkte aus Hollywood. Antonionis Filme bilden
Wahrnehmungen der Realität ab. Es ist seine Sicht auf die
Welt, die er uns erzählt. Und wir verbinden damit unsere
Sicht auf die Welt. Wir bekommen kein glückliches Ende
geliefert. Wir können nicht erleichtert aus dem Kino gehen,
durchatmen und den Film vergessen, da alles noch mal gut
gegangen ist. Die Filme Antonionis nehmen die
Lebensumstände in denen sie gedreht wurden ernst. Sie geben
die Probleme wieder ohne sie zu entdramatisieren. Antonioni
zeigt uns seine Sicht auf die Welt und die Menschen die in
ihr leben. Was wir damit machen bleibt letzen Endes uns
überlassen. Wenn wir uns darauf einlassen und über sie
nachdenken, denken wir auch über unser Leben nach, ziehen
Parallelen und können somit durch die Filme unsere Leben
bereichern. Fehler welche die Protagonisten begehen, werden
hinterfragt und vielleicht sogar umgangen. Und wenn wir
ganz tief Luft holen, können wir die vereinzelt
angesprochenen Fehler sogar verallgemeinern und somit nicht
nur den konkreten Fehlern welche die Protagonisten gemacht
haben aus dem Wege gehen, sondern einen gänzlichen anderen
Weg einschlagen. Und wenn man Antonioni so weit folgt, dann
ruft er auf - er ruft auf sich im Inneren gegen das zu
wehren, was der Individualität im Wege steht. So manche
Erziehungsmassnahme oder allgemein akzeptierte Konvention
zu hinterfragen. Was dann bleibt ist ein Weg der von
Individualität geprägt wird und letzten Endes auch
individuell zufriedenstellender sein kann als der Weg der
Masse.
Man kann das Antlitz eines Menschen zeigen, doch nicht sein
Herz. Dies beinhaltet auch, das es schwierig ist, sein Herz
zu sehen. Denn was man nicht zeigen kann ist auch schwierig
zu sehen. Und was man nicht sehen kann, darauf kann man
auch nur schwer hören. Antonionis Werk zeichnet sich
dadurch aus, dass er zumindest zeigen konnte, was dem
Herzen entgegenarbeitet. Denn diese Dinge sind bei näherer
Betrachtung sehr wohl sichtbar. Wenn wir bereit sind, dass
zu sehen und zu erkennen, nehmen wir dessen Wirkungskraft.
Letzten Endes ist es von größerer Bedeutung diese
Störfaktoren zu benennen um den Einzelnen zur
Individualität zu motivieren, als wenn man einen Helden
präsentiert, der es so ohne weiteres schafft in der
Gesellschaft individuell zu bleiben. Sehen wir einen
Menschen der den Strömungen der Gesellschaft standhalten
kann und dabei glücklich und zufrieden ist, identifizieren
wir uns mit Freude mit ihm. Diese Identifikation birgt die
Gefahr sich sicher zu wägen. Und es birgt die Gefahr, es
nicht für notwendig zu halten Kraft aufzubringen um gegen
die präsenten Störfaktoren anzugehen. Denn schließlich ist
es ja nicht zwingend notwendig um glücklich zu sein –
wie wir gesehen haben. Antonionis Filme allerdings schlagen
eine andere Richtung ein. Sie zeigen die Störfaktoren und
lassen den Zuschauer mit ihnen leiden. Demzufolge bringen
sie das Potenzial auf, die Zuschauer unzufrieden mit den
gesellschaftlichen Konventionen zu machen. Und diese
Unzufriedenheit unterstützt Veränderungen des Bewusstseins.
Antonionis Filme können ihren Beitrag dazu leisten, mehr
auf das nicht Zeigbahre und schwer erkennbare Herz des
Menschen zu hören. Darin liegt die Bedeutung seiner Filme.